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What is dead may never die – GAME OF THRONES: HOME (S06E02)

von | 3 Mai 2016 | Game of Thrones | 4 Kommentare

Er ist wieder da. In HOME findet der größte Cliffhanger der letzten Staffel seine lapidare Auflösung: Natürlich bleibt Jon Snow nicht tot. Was dachtet ihr denn? Zuviel seiner Geschichte ist noch unerzählt, zu groß seine Rolle in der (vermeintlichen) Haupthandlung mit den White Walkers. Im Grunde waren sich Fans wie auch Autoren einig: Jon Snows Tod in MOTHER’S MERCY war nur ein billiger Trick, seine baldige Wiederkehr unvermeidlich. Wofür dann das Ganze? Warum hat man ihn überhaupt sterben lassen? Um ihn von der Nachtwache zu befreien. Jon Snow braucht Handlungsspielraum. Als Lord Commander war er eingeschränkter denn je. Durch den Tod wird er von seinen Verpflichtungen erlöst – And now his watch is ended. Wird Jon endlich die Mauer verlassen?

Benioff und Weiss taten jedenfalls gut daran, seine Wiederkehr möglichst schnell abzuhandeln und nicht als vorhersehbaren Twist über die Staffel hinweg auszudehnen. Allerdings hätten die Umstände seiner Rückkehr spannender sein können. Von allen Fan-Theorien, die sich um Jons Auferstehung rankten, war die Melisandre-Lösung die offensichtlichste und unspektakulärste. Zudem fühlte sich die Wiedererweckungs-Szene in den letzten Minuten der Folge arg überstürzt an. Man hatte den Eindruck, dass die Autoren diese Szene rasch hinter sich bringen wollten. Immerhin spielten Buch- wie auch Serienfans Fans diesen Moment so oft in ihren Köpfen durch, dass seine tatsächliche Umsetzung nur enttäuschen konnte. Tatsächlich ist das Internet voll mit Kommentaren, in denen haarklein dargelegt wird, wie man die Szene besser hätte erzählen können. Ob nun gelungen oder nicht, Jon Snow ist wieder da. Das ist doch, was zählt. Oder?

 

 Diese Folge in Zahlen:

 

 

Hauptfiguren

Orte

Erste Auftritte

Letzte Auftritte

 

 Homecoming

Der König ist tot, lang lebe der König. In Pyke entledigt sich Euron Greyjoy seines Bruders Balon und konkurriert nun mit seinem anderen Bruder Aeron Greyjoy sowie seiner Nichte Yara um die Herrschaft über die Ironborn. - HBO

Der König ist tot, lang lebe der König. In Pyke entledigt sich Euron Greyjoy seines Bruders Balon und konkurriert nun mit seinem anderen Bruder Aeron Greyjoy sowie seiner Nichte Yara um die Herrschaft über die Ironborn. – HBO

 

Jon Snows Auferstehung war der dramaturgische Höhepunkte einer Folge, in der das bindende Element die Heimkehr war. Cersei, Jaime und ihr Sohn Tommen finden in King’s Landing wieder zueinander, geeint durch Schmerz, Schuld und Wut. Sie bilden eine kraftvolle Einheit gegen den High Sparrow, der mit seiner hochmütig zur Schau gestellten Demut zuversichtlich am eigenen Untergang arbeitet. Im Norden führt Sansas Weg weiter nach Castle Black zu ihrem Halbbruder Jon Snow, während es Theon einmal mehr nach Hause zu den Iron Islands zieht. Beide versprechen sich von dem Wiedersehen mit der Familie Schutz und Geborgenheit. Doch ist die Mauer zurzeit alles andere als sicher, ebenso wie Theons Heimatstadt Pyke. Dort nämlich hat die Rückkehr von Theons Onkel Euron die schwindende Herrschaft des Krakenkönigs Balon Greyjoy endgültig zu Fall gebracht. Auch in Winterfell ist die Machtzentrifuge wieder kräftig am arbeiten: Ramsay beendet das Kräftemessen mit seinem Vater durch einen heimtückischen Messerstich während einer innigen Umarmung – genauso, wie einst Roose Bolton in THE RAINS OF CASTAMERE seinen König Robb Stark ermordete.

Eine Heimkehr der besonderen Art ereignete sich zu Beginn der Folge. Nach der Zwangspause in der letzten Staffel geht der Erzählstrang um Bran Stark endlich weiter. Brans Leibwechsler-Fähigkeiten haben sich seit seinem letzten Auftritt enorm gesteigert. Am Anfang von HOME schaut er mit dem Three-Eyed Raven durch ein idyllisches Winterfell vor Verrat und Zerstörung, vor Tod und Schmerz, kurz: vor GAME OF THRONES. Er sieht Klein-Eddard und Klein-Benjen beim Kampftraining zu und erhascht einen ersten Blick auf seine Tante Lyanna, die selbstbewusst dazu stößt. „They were all so happy“, bemerkt Bran. „So were you once“, erwidert der Three-Eyed Raven. Mit einem Schlag findet sich der Zuschauer in die Pilotfolge zurückversetzt, als Bran mit Robb und Jon im Innenhof von Winterfell das Bogenschießen übte und von Arya überrascht wurde. Glückliche Starks, wie lang muss das zurückliegen.

Die Orte dieser Folge

Auf dem Spaziergang durch die Geschichte seiner Familie begegnet Bran schließlich einem tapsigen Stallburschen namens Wylis – Hodors jüngerem Ich. Er spricht. Wieder in der Höhle angekommen, fragt Bran seinen riesenhaften Begleiter, was für ein schreckliches Erlebnis ihm den Verstand geraubt habe. „Hodor“, antwortet Hodor mit traurigen Augen. Eine rührende Szene, die viele Fragen aufwirft und Lust macht auf mehr. Bisher hüteten sich die Showrunner Benioff und Weiss davor, Rückblenden in GAME OF THRONES einzusetzen (mit Ausnahme von Cerseis Flashback in THE WARS TO COME). Umso großartiger die Idee, die nun anscheinend notwendig gewordenen Abstecher in die Vergangenheit durch die Augen von Bran wahrzunehmen, so dass bei aller Informationsvermittlung die Reaktionen des Charakters im Vordergrund stehen.

Die Figuren der Folge

Hauptfiguren
Nebenfiguren
Erste Auftritte
Letzte Auftritte

Seeing is believing

Braucht nicht einmal menschliche Spielpartner, um in seinen Szenen zu brillieren: Peter Dinklage als Tyrion Lannister. - HBO

Braucht nicht einmal menschliche Spielpartner, um in seinen Szenen zu brillieren: Peter Dinklage als Tyrion Lannister. – HBO

 

Währenddessen in Essos: Tyrion steigt in die Katakomben herab, um Rhaegal und Viserion einen Besuch abzustatten. Seine Lage ist verzweifelt –Yunkai und Astapor sind wieder in den Händen der Sklavenmeister, die Slaver’s Bay blickt nach Meereen. Um die Stadt verteidigen zu können, benötigt er die Drachen. Diese haben jedoch seit Danys Verschwinden nichts gefressen, sie leiden unter ihrer Gefangenschaft. Tyrion will das Vertrauen der Drachen gewinnen. Als sich die Ungeheuer aus der Dunkelheit erheben, kommen jedoch erste Zweifel. Angst und Panik stehen in Tyrions Augen geschrieben, als er den majestätischen Biestern gegenüber steht. Aber auch Ehrfurcht und Staunen. Immerhin geht sein Jugendtraum in Erfüllung –Er streichelt einen Drachen. Behutsam nimmt er den Ungetümen die Ketten ab und flüchtet wieder nach draußen. Die Szene erinnert uns daran, dass GAME OF THRONES in seinen spektakulärsten Momenten eine Fantasy-Geschichte ist, die unsere Augen zum Funkeln bringen möchte.

Das Fantastische ist wesentlicher Bestandteil der um Realismus bemühten, pseudohistorischen Welt von Westeros. Allein in dieser Folge bekamen wir Drachen, Riesen, Zombies, Leibwechsler und feenartige Waldkreaturen zu sehen. Das Übernatürliche und Wundersame tritt unmittelbar im Alltag der Figuren in Erscheinung: Seeing is believing. HOME visualisiert den Zusammenhang zwischen Sehen und Glauben im Motiv der Augen. Die Folge eröffnete mit den weißen Augen von Bran und dem Three-Eyed Raven, die in die Vergangenheit blicken. In Braavos sehen wir der blinden Arya dabei zu, wie sie vor Jaqen H’ghar ihre Hingabe zu den Faceless Men beteuert. Unter den mit Augen bemalten Steinen bleiben die Lider der aufgebahrten Myrcella in King’s Landing geschlossen, während wir in der letzten Szene gespannt darauf warten, dass sich die von Jon Snow endlich öffnen. Wieso auch nicht? Selbst der Skeptiker Davos erwartet das Unmögliche. Der ehemalige Schmuggler wurde schon oft Augenzeuge der schwarzen Magie der roten Priesterin – und wir mit ihm. Was ist da schon eine kleine Wiedererweckung? Wer nicht an Wunder glaubt, der ist kein Realist.


 

That’s what I do. I drink, and I know things.

 

 

Tyrion Lannister

Andere Gedanken:

  • Nach zwei Folgen stehen immer noch fünf der 29 Hauptfiguren aus: Sam und Gilly, Littlefinger, Lady Olenna und Bronn.
  • Die Wildlinge kommen! Ich war überrascht, wie unblutig das Stand-Off in Castle Black aufgelöst wurde – und zugegebenermaßen ein wenig enttäuscht, dass die Meuterer, allen voran Ser Alliser Thorne, Bowen Marsh, Othell Yarwyck und Olly so glimpflich davon gekommen sind. Wenigstens Wun Wun hatte seinen Spaß.
  • Zwei Lord Commander in Folge durch eine Meuterei zu verlieren, ist schon ein Armutszeugnis für die Nachtwache. Eigentlich müssten alle gen Süden geschickt werden, insbesondere die Mitläufer, die am besten von nichts gewusst haben wollen und nur Thornes Befehle befolgten.
  • Musste noch jemand bei der Dynamik zwischen Cersei und dem Zombie-Mountain an Poison Ivy und Bane aus BATMAN & ROBIN denken? Gibt es die Cersei Action-Figur dann auch nur im Doppelpack mit dem Unholy Mountain?
  • Welche Ausrede sich Ramsay wohl für den Tod von Walda und seinem namenlosen Bruder hat einfallen lassen? Von den Feinden in der Badewanne ertränkt? Aber ernsthaft: Eine Frau mit ihrem Neugeborenen durch Hunde zerfleischen zu lassen: Der Sadismus von Ramsay (sprich: GAME OF THRONES) kennt keine Grenzen…
  • Doran Martell, Balon Greyjoy, Roose Bolton, ganz zu schweigen von Trystane, Areo Hotah und Walda Frey– Kaum war der body count zu Beginn einer Staffel so hoch wie jetzt. Ist das noch harsche Aufräumarbeit, um Platz für neue Figuren zu schaffen, oder der langsam ermüdende Versuch, das Publikum durch schockierende Tode zu überraschen?
  • He had it coming. Roose Boltons Tod war vorhersehbar. Wer seinen psychopathischen Sohn öfter mit dem Tode droht und sich ohne Wachen in seiner Gegenwart aufhält, muss mit dem Unausweichlichen rechnen. Selbst Harald Karstark scheint es vorhergesehen zu haben. Immerhin hat er sich nicht geregt, als Ramsay das Messer in seinen Vater rammte. Von einem so vorausschauenden und berechnenden Schurken wie Roose hätte ich mehr erwartet. Schade.
  • Mit dem Dahinscheiden von Balon Greyjoy ist jetzt auch der letzte der Könige des Wars of the Five Kings tot. Interessanterweise ist seit Beginn des Krieges pro Staffel ein Wettstreiter ausgeschieden: Renly in Staffel 2 (THE GHOST OF HARRENHAL). Robb in Staffel 3 (THE RAINS OF CASTAMERE), Joffrey in Staffel 4 (THE LION AND THE ROSE), Stannis in Staffel 5 (MOTHER’S MERCY) und Balon in Staffel 6 (HOME).
  • Die zweifelnde Melisandre gefällt mir viel besser als die überzeugte Fundamentalistin.
  • Game of Recasts: Max von Sydow ersetzt Struan Rodger als Three-Eyed Raven,während Kae Alexander die Schauspielerin Octavia Alexandru als neue Leaf beerbt.
  • Apropos Casting: Im Winterfell-Flashback sah es so aus, als ob der junge Rodrick Cassel vom Podrick-Darsteller Daniel Portman gespielt wird. Das wäre mehr als passend – ist doch Portman der Sohn von Cassel-Darsteller Ron Donachie!

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