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Sebastian Selig lebt im Kino und schreibt darüber in Magazinen wie HARD SENSATIONS, SPLATTING IMAGE oder auch DEADLINE.


zero dark thirty universal soldier
Was ist dran an dem Gerücht, dass Kathryn Bigelow ihren Film tatsächlich als Prequel zu John Hyams Meisterwerk UNIVERSAL SOLDIER: DAY OF RECKONING angelegt hat? So einiges. So taucht der von John Adkins verkörperte „John“ (der deswegen auch bei Bigelow wieder nur „John“ heißt) in exakt derselben Rolle an entscheidender Stelle so auch in ZERO DARK THIRTY auf, der wiederum zeitlich vor den Ereignissen des DAY OF RECKONING spielt. Hier wie dort ist er einer, der gefährliche Aufträge der US-Militärführung ausführt. Bei Bigelow soll er das Treffen zwischen der von Jennifer Ehle verkörperten Agentin und einem Informanten überwachen, bei dem (ACHTUNG SPOILER) dann beide in die Luft gesprengt werden. Adkins spielt somit den einzigen Soldaten, der in ZERO DARK THIRTY sichtbar, ja, von der Filmemacherin regelrecht feierlich dramatisch inszeniert, getötet wird. Damit wird der direkte Bogen zur Eröffnungssequenz des DAY OF RECKONING gespannt, wo wir ihn (ACHTUNG NOCHMALS SPOILER) reanimiert in einem immer wiederkehrenden Körper aufwachen sehen. Ein Körper, der, so erfahren wir im weiteren Verlauf des Films, immer wieder neu zusammengesetzt, im Auftrag der US-Militärführung losgeschickt wird um zu töten oder auch getötet zu werden. Der gleiche SOLDIER. In beiden Filmen.

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Das ist die eine, sehr offensichtliche Verbindung zwischen ZERO DARK THIRTY und UNIVERSAL SOLDIER: DAY OF RECKONING, die beide von den entmenschlichten Abläufen der in US-Militäraufträge verwickelten Menschen erzählen. Ich glaube, Bigelow geht aber sogar noch weiter, so baut sie in die finale Erstürmung des Osama bin Laden-Unterschlupfs noch zwei weitere Momente ein, die auf John Hyams DAY OF RECKONING verweisen. So lässt sie zu Beginn die Kamera kurz auf den mit schwarzen Ski-Masken anonymisierten Gesichtern der Elite-Soldaten verharren, gerade so als wolle sie uns zeigen, seht her, sind das nicht genau dieselben Killer, die zu Beginn von UNIVERSAL SOLDIER: DAY OF RECKONING dann ebenfalls nachts ein Wohnhaus stürmen werden, um die darin schlafenden Einwohner brutal abzuschlachten? Und sie geht noch weiter: am Ende von DAY OF RECKONING sehen wir, (ACHTUNG SCHON WIEDER SPOILER) wurde einmal einer der SOLDIER (oder auch einer der Revolutionäre) getötet, so muss die US-Militärführung nur auf den dafür in einem schwarzen Leichensack bereit liegenden neuen Körper zugreifen und kann diesen dann, erneut reanimiert, wieder in die Schlacht schicken. Bigelow scheint da nun eine subtile Verbindung zu dieser alptraumhaften Vision von John Hyams herstellen zu wollen, indem sie zeigt, wie die Leiche des ermordeten Osama bin Laden offenbar genau für diesen Zweck, sprich: für die möglicherweise spätere Reanimation, sorgfältig in genau so einen schwarzen Leichensack gepackt wird, wie wir ihn schon von Hyams DAY OF RECKONING kennen. Deswegen dann wohl auch die Tränen von Jessica Chastain am Ende von ZERO DARK THIRTY im Flugzeug, weil sie weiß, der ewig Kreislauf der Gewalt, dieser Krieg der Körper, wird einfach immer so weitergehen. Die Leichensäcke liegen bereits bereit, der Albtraum wird wohl niemals ein Ende finden, weil der Tod längst keine Erlösung mehr bringt. Einmal angelegt, wird sich die schwarze Skimaske auch nie wieder ablegen lassen. Werden die Köper immer wieder in den Krieg geschickt. Um zu sterben. Um zurückzukehren.

ZERO DARK THIRTY – UNIVERSAL SOLDIER: DAY OF RECKONING, zwei lebende Tote verbunden wie Bruder und Schwester.

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