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Was haben Sie am 15. Juli 2011 gemacht? Und am 15. Juli der letzten 20 Jahre? Für Emma und Dexter ist dieser Tag ein magisches Datum. Der Film Zwei an einem Tag von Lone Scherfig besteht ausschließlich aus Tagen des 15. Julis zwischen 1988 und 2011, die sich chronologisch in Szenen aneinanderreihen. Als Vorlage diente der beliebte Roman des Briten David Nicholls. Letzterer verfasste für die Verfilmung mit Anne Hathaway und Jim Sturgess auch das Drehbuch.

Die Story stellt die Beziehung zwischen dem Mauerblümchen Emma und dem Frauenheld Dexter nach dem Motto „Gegensätze ziehen sich an“ in den Mittelpunkt. Am 15. Juli 1988 lernen sich Emma und Dexter nach ihrem Abschluss näher kennen und verbringen die Nacht zusammen – allerdings rein platonisch. Ab diesem Moment beginnt eine besondere Freundschaft. Doch bleibt es auch dabei oder wird im Laufe der Jahre mehr daraus? Als Zuschauer wartet man jedenfalls ständig darauf und ist den Beziehungsproblemen und dem ewigen Hin und Her dann auch irgendwann überdrüssig. Man wird ein wenig an Harry und Sally erinnert, da auch dieser Film die Möglichkeit einer Freundschaft zwischen Mann und Frau thematisiert. 

Die Besonderheit des Romans ist, dass jedes Kapitel für den 15. Juli eines Jahres steht. Dabei umfassen sowohl Buch als auch Film über 20 Jahre. Doch warum wurde genau dieses Datum gewählt? Am 15. Juli findet jedes Jahr der St. Swithin’s Day statt, der auf den anglosächsischen Bischof St. Swithin aus dem 9. Jahrhundert zurückgeht. Nach einer Bauernregel regnet es 40 Tage lang weiter, wenn es am St. Swithin’s Day stürmisch war. Nicholls ließ sich außerdem von Billy Braggs Song St. Swithin’s Day inspirieren.

Die dänische Regisseurin Lone Scherfig begeisterte mit ihrem letzten Film An Education das Publikum. Das gelungene Drama wurde für drei Oscars nominiert und die Hauptdarstellerin Carey Mulligan mehrmals ausgezeichnet. Wie Zwei an einem Tag beruht der Film auch auf einem Bestseller, bei dem der Autor, und zwar Nick Hornby, das Drehbuch verfasste. Trotz dieser Gemeinsamkeiten gelingt es Scherfig leider nicht, an dem Erfolg von An Education anzuknüpfen. Glänzte An Education noch mit Einfachheit und Authentizität, verstrickt sich Zwei an einem Tag immer wieder in Klischees.

Schön umgesetzt ist dennoch die Idee mit dem eingeblendeten Datum, das immer beim Jahreswechsel gezeigt wird. Es integriert sich nämlich stets diegetisch ins Bild, indem es auf dem Laptop in getippter Form, auf einem Fester oder auch im Wasser erscheint. Allerdings erinnert diese Technik ein wenig an Marc Webbs Beziehungskomödie 500 Days of Summer, die in weitaus originellerer Weise zwischen 500 verschiedenen Tagen einer Beziehung hin- und herspringt. Die Kulisse und Kostüme in Zwei an einem Tag sind mit großer Sorgfalt gewählt und der zeitliche Kontext wurde stets beachtet. Somit gibt jede Szene Hinweise auf die Zeit, in der sie spielt. Beispielsweise kritisiert Emma am 15. Juli 1996 die damals neuartigen Mobiltelefone mit dem Satz „Die zerstören das Hirn“, während Dexter ankündigt, dass bald jeder ein Handy besitzen würde. Diese Gegensätzlichkeit beider Protagonisten wird durch die Montage des Films schön betont. Mittels weicher Übergänge werden die Leben der beiden verbunden, selbst wenn sie nicht an einem Ort sind. Neben der Verbundenheit werden dadurch auch die Differenzen der Charaktere hervorgehoben: Dexters laute Late Night Show wird beispielsweise einer von Emma geplanten harmonischen Schulaufführung gegenübergestellt. Des Weiteren wirkt Dexter im Film unsympathischer als im Roman, da man im Buch immer noch Einblick in seine emotionale Gedankenwelt hat. Allein die Gestaltung seiner Wohnung mit blauem Licht, lässt ihn im Film kühler erscheinen. Beide durchlaufen innerhalb der Jahre eine Veränderung. Begleitet wird dieser Prozess von wechselnden Kostümen und Haarschnitten. Ähnlich wie in Plötzlich Prinzessin oder Der Teufel trägt Prada mausert sich Anne Hathaway von dem unsicheren Mauerblümchen zur selbstbewussten, modischen Frau. Was stört, ist eigentlich, dass das Knistern zwischen den beiden Hauptdarstellern kaum zu spüren ist. Anne Hathaway konnte in Filmen wie Brokeback Mountain und Alice im Wunderland mehr überzeugen und Jim Sturgess, der aus Filmen wie 21 oder Die Schwester der Königin bekannt ist, bleibt eher farblos.

Leider wirkt die Handlung durch die Beschränkung auf den 15. Juli streckenweise unlogisch. Teilweise wird zwar versucht, den 15. Juli nicht immer vollzupacken. Emma schwimmt 1997 nur kurz durch das Bild und an einigen Stellen werden Geschehnisse erst in einer anschließenden Szene diskutiert oder erwähnt. Trotzdem ist es einfach nicht wahrscheinlich, dass im Leben zweier Menschen fast alle schicksalhaften Ereignisse auf den 15. Juli fallen. Dass so viele relevante Begebenheiten auf diesen Tag fallen, wird dann auch erst gegen Ende von Dexter reflektiert. Letztendlich muss man die ständige Präsenz des 15. Julis in der Beziehung von Emma und Dexter einfach als magisch stehenlassen. Im Widerspruch dazu steht allerdings, dass der Film versucht, eher ein Blick auf das wahre Leben zu werfen und bemüht ist, sich von dem Genre der romantischen Komödie loszulösen. Mit der Zeit wird aus dem Film eher ein Romantic Comedy Drama. Dass es weitaus gelungenere Filme gibt, die eine Beziehung realistisch abbilden, hat Blue Valentine hat dieses Jahr bewiesen. Letzten Endes bestätigt der Blick durch das regennasse Fenster in einem traurigen Moment auch wieder das Klischee vieler Liebesdramen.

Der Autor und Drehbuchschreiber David Nicholls thematisiert die Problematik des Films selbst: „Es ist eine Herausforderung, 20 Jahre im Leben einer Person in einem Roman unterzubringen. Soll man das dann noch auf zwei Kinostunden verdichten, muss man hinnehmen, sich von vielem zu verabschieden“. Das Konzept des Films ist kreativ, allerdings ging auf Grund der Masse an Jahren auch einiges verloren, wodurch es schwer wird, sich in die Charaktere einzufühlen. Ab einem gewissen Zeitpunkt weiß man teilweise einfach nicht, wohin sich die Geschichte entwickeln soll. Gegen Ende wird dann zu sehr versucht, das Publikum zu rühren und zu schocken. Und selbst nach dramatischen Ereignissen, geht es immer noch weiter.

Zwei an einem Tag stellt eine Beziehung im Wandel der Zeit dar, mit Höhen und – vor allem – Tiefen. Trotz kurzweiliger Gags, schöner Kulisse und zwei hübschen Hauptdarstellern gelingt es dem Film nicht, tiefgründig zu werden. Nach An Education waren meine Erwartungen einfach größer.

Zwei an einem Tag / One Day 
R: Lone Scherfig
B: David Nicholls
K: Benoît Delhomme
D: Anne Hathaway, Jim Sturgess, Patricia Clarkson, Ken Scott, Romola Garai, Rafe Spall
USA, 2011, 107 Min.
Focus Features, Random House Films
Kinostart: 03.11.2011
FSK: 0

Bildmaterial/Verleih: TOBIS