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EXPOSED, Copyright: Ande Whyland

Sexvideos in Dauerschleife, James Franco am Hörer, Regieanweisungen via Skype und ein strippender Rabbi. Die Panorama-Sektion der 63. Internationalen Filmfestspielen Berlin steckt voller Entdeckungen, Enttäuschungen und ungewöhnlicher Außenseitergeschichten. Aufsteigend vom Schwächsten zum Besten präsentiere ich zwischen Tür und Kinosaal meine bisherigen Filmerfahrungen in dieser Festivalsparte. To be continued!

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SOMETHING IN THE WAY, Copyright: Berlinale

SOMETHING IN THE WAY (Indonesien 2013, R: Teddy Soeriaatmadja)

Ahmed ist Einzelgänger. Sein Alltag ist bestimmt durch Moscheebesuch, Nachtfahrten mit seinem Taxi und jeder Menge Pornos. Das Leben ändert sich, als es zur Berührung mit Nachbarin Kinar kommt, einer Prostituierten. Ein wenig Witz, ein wenig Melancholie, ein wenig Liebe, ein wenig Gewalt. SOMETHING IN THE WAY hat von allem etwas – jedoch nicht genug. Der unbeabsichtigt heraufbeschworene Vergleich zu TAXI DRIVER macht es dem Zuschauer schwer, sich richtig auf den Film einzulassen. Die Thematik des Films – die Verbindung von Pornographie und religiösen Fundamentalismus – versagt es ihm, in seiner Heimat gezeigt zu werden. Seine Hintergründe scheinen bisweilen interessanter als der Film selbst.

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MALADIES, Copyright: Pamela Berkovic

MALADIES (USA 2012, R: Carter)

Der exzentrische James lebt mit Schwester Patricia und Freundin Catherine in einer eigenwilligen Künstler-WG. In den 60er Jahren noch als abnormal angesehen, würde man im Verhalten der drei Außenseiter heute Spuren psychischer Störungen diagnostizieren. Dennoch ist MALADIES kein Film über den damaligen Umgang mit Geisteskrankheit, sondern eine Erzählung sensibler Künstlergestalten, die sich ebenso wie der Film selbst im Strudel narzisstischer Selbstbespiegelung zu verlieren drohen. Kunst ist allgegenwärtig, die ausgeklügelte mise-en-scène vollgestopft mit Kunstgegenständen und tatsächlichen Gemälden des Regisseurs. Die durchweg hervorragend spielende Besetzung rettet den etwas zu sehr mit sich beschäftigten Film jedoch davor, sein Publikum ganz zu verlieren.

 

 

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BEHIND THE CAMERA, Copyright: Berlinale

BEHIND THE CAMERA (Korea 2012, R: E J-yong)

Was passiert, wenn Regisseur E J-yong beim Dreh seines Film über einen Regisseur, der zum Dreh eines Filmes Regieanweisungen aus Hawaii per Skype durchgibt, tatsächlich dem Set fern bleibt und das Geschehen die ganze Zeit über Fernkommunikation dirigiert? Richtig: ein furchtbar langer Satz sowie ein großes Durcheinander, nicht nur auf dem Set, sondern auch im Kopf des Zuschauers. Da Schauspieler und Filmcrew sich selber spielen, vermischen sich in BEHIND THE CAMERA Realität, Fiktion und Meta-Fiktion zum ironischen Verwirrspiel: War das jetzt der Produzent oder der Schauspieler des Produzenten? Gezeigt wird das ausgefallene Filmexperiment im „Meta-Double-Feature“ mit dem Kurzfilm JURY von Festivalveteran Kim Dong-Ho.

 

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EXPOSED, Copyright: Ande Whyland

EXPOSED (USA 2013, R: Beth B)

Independent-Dokumentarfilmerin Beth B gibt tiefe Einblicke in die New Burlesque-Szene in New York. Irgendwo zwischen avantgardistischem Ansatz und pornographischer Stimulation erweist sich die Burlesque als neue, kraftvolle Richtung der Performance-Kunst. Liebevoll porträtiert die Regisseurin die enge Gemeinschaft der misfits, queers und freaks, die im Burlesque mit leidenschaftlicher Stimme ihre eigenen Vorstellungen von Sexualität, Körper und Identität artikulieren. Eindrücke in ihre zum Teil verstörenden Auftritte wechseln sich ab mit intimen Gesprächen, in denen die Künstler den Zuschauer an ihren Gedanken, Gefühlen und Hoffnungen teilhaben lassen. Sinnlich, politisch, abstoßend, lustig, augenöffnend: EXPOSED ist die Entdeckung der Panorama-Sektion und mein persönliches Juwel der diesjährigen Berlinale.

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